Baugeschichte

Eine Kirche entsteht

Heute erscheint es uns vielleicht selbstverständlich zu sein, daß die evangelische Kirchengemeinde in Traisa ihre eigene Kirche hat. Aber das war nicht immer so. Und der Weg dahin war lang und manchmal auch schwierig. Gertrud Weißer hat die wichtigsten Meilensteine1) zusammengestellt:

Foto des Rohbaus mit Blick auf die Wilhelm-Leuschner-Str.

  • Von altersher gehörte Traisa als Filiale zu Nieder-Ramstadt
  • 1872 Erhielt Traisa seinen eigenen Friedhof (= vor 145 Jahren)

Anm.: „…darf man feststellen, dass der eigene Friedhof… …eine Rolle spielte auf dem Weg zur Abtrennung Traisas vom alten Kirchspiel…“    (aus: Dehnert, Karl – 25 Jahre Evangelische Kirche Traisa, 1982)

  • 1913 Erster Gottesdienst in Traisa (= vor 104 Jahren)
  • 1917 Gottesdienste wurden wieder aufgegeben (= vor 100 Jahren)
  • 1925 Gottesdienste wieder aufgenommen (= vor 92 Jahren)
  • 1925 Krankenpflegestation gegründet: Schwester Maria Kolb

vom Mutterhaus Dossenheim (= vor 92 Jahren)

  • 1926 Erste Konfirmation in Traisa (= vor 91 Jahren)
  • 1926 Vorschlag, eine zweite Glocke anzuschaffen (= vor 91 Jahren)

Anm.: Unklar ist, wann die erste Glocke beschafft wurde, bzw. wo die Glocken hingen.

  • 1927 Am ersten Ostertag läutete die zweite Glocke zum ersten Mal.

Inschrift: „Bete und arbeite!“ (= vor 90 Jahren)

  • 1928 Im Spätsommer wrude die erste Traisaer Kirchengemeindevertretung gewählt.

(= vor 89 Jahren)

  • 1952 Wurde Traisa selbständige Kirchengemeinde (= vor 65 Jahren)
  • 1956 Erster Spatenstich der Kirche in Traisa am 5. August (= vor 61 Jahren)
  • 1956 Grundsteinlegung der Kirche in Traisa am 26. August (= vor 61 Jahren)
  • 1957 Einweihung der Kirche in Traisa am 1. Dezember (= vor 60 Jahren)

 

1)Literatur:

  • Festbuch „650 Jahre Traisa“, 1966. Darin: Helms, Helmuth: Aus der Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Traisa
  • Dehnert, Karl: 25 Jahre Evangelische Kirche Traisa: Geschichtlicher Rückblick, 1982
  • Gemeindeblatt Nieder-Ramstadt, Traisa, Waschenbach, seit 1925

 

Aus der „kirchenlosen“ Zeit erzählt Klaus Valter als Zeitzeuge von seinen Erlebnissen als Konfirmand:

 

„Wenn man „Hessischer Hof“ hört, denkt man an eine Gastwirtschaft, aber nicht so in Traisa. Der große Saal im 1. Stock hat fast 20 Jahre als Gottesdienststätte gedient. Ein Jahr als Vorkonfirmand und dann ein Jahr als Konfirmand mußte man den Gottesdienst besuchen. Aber wir hatten auch Aufgaben zu erledigen. Da keine Glocke vorhanden war, mußten wir kleine Glocken im Rathaus gegenüber läuten. Jeden Sonntag waren es andere Jungs, die eingeteilt wurden. Je nach Statur ein oder zwei Jungs, wir mußten darauf achten, immer im richtigen Tempo zu läuten. Für viele von uns wurde es im Laufe der Zeit zum Gaudi. Der damalige Pfarrer Herr Krüger mußte uns oft zur Raison ermahnen.

1951 wurden wir dann konfirmiert. Wir waren mit 34 Mädchen und Buben ein starker Jahrgang. Für uns alle war es eine unvergessene Zeit. Wenn es auch keine normale Kirche war, für uns war es eine schöne und positive Zeit und noch heute denken wir bei Klassentreffen an die damalige Zeit, wenn es auch nur ein schönes Provisorium war.“

Erinnerungen an die Baugeschichte

Die Baugeschichte der Traisaer Kirche beschreibt Kurt Reitz in einem Bericht (Quelle: Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Traisa, Nr. 69, Advent und Weihnachten 1997), der hier in Auszügen wiedergegeben wird:

 

„In der Filialgemeinde Traisa des Evangelischen Kirchspiels Nieder-Ramstadt fand im Jahr 1913 zum ersten Mal ein Gottesdienst statt, den der Nieder-Ramstädter Pfarrvikar Waik in kleinen Saal des Traisaer Rathauses hielt. Erst zehn Jahre später begann man damit, in diesem von der Gemeinde Traisa nun ausschließlich für kirchliche Zwecke bereitgestellten Raum regelmäßig sonntags Gottesdienste abzuhalten. Als 1941 dieser „Betsaal“ der Kirchengemeinde aus politischen Gründen gekündigt wurde, stellte der Gastwirt Phillip Walter seinen Tanzsaal im 1. Stock des Anwesens Ludwigstraße Nr. 81 zur Verfügung. Dieses Provisorium sollte 16 Jahre andauern.

 

Während all dieser Jahre reifte der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus in Traisa langsam heran. Fünf Jahre lang sammelte man in Traisa – zuletzt erheblich behindert durch die politischen Umstände – für den in Aussicht genommenen Kirchbauplatz, bis er 1936 schließlich erworben werden konnte. An den Bau einer Kirche war in jener Zeit nicht zu denken.

 

Zu Beginn der fünfziger Jahre war schließlich in Traisa der Wunsch nach einer eigenen Kirche so groß, daß man sich ernsthaft und intensiv mit der Planung beschäftigte. Ein Gemeindezentrum mit Kirche, Kindergarten, Schwesternstation und Pfarrhaus (in dieser Reihenfolge zu errichten) sollte entstehen.

 

Für die Finanzen beim Kirchbau war natürlich die Landeskirche zuständig, aber die forderte von der inzwischen von Nieder-Ramstadt losgelösten Evangelischen Kirchengemeinde Traisa einen kräftigen Zuschuß zum Kirchbau. Unter der Devise „Wir wollen eine Kirche bauen“ begann in Traisa und einem Teil Trautheims im Januar 1955 eine gut organisierte monatliche Sammeltätigkeit der Kirchenvorsteher, und man ließ wirklich keine Gelegenheit aus, um in vielfältiger Weise für den Kirchbau zu werben und zu sammeln.

 

Mehrmals wurde der geplante Einweihungstermin verschoben, bis man ihn schließlich und endgültig auf den 1. Dezember 1957 festlegte. An jenem ersten Adventssonntag, einem kalten, sonnigen Tag, zog die Gottesdienstgemeinde vom alten Versammlungsort in der Ludwigstraße zur neuen Kirche, wo nach feierlicher Schlüsselübergabe die Gemeinde in das neue Gotteshaus einzog. Mit Stolz erfüllte es besonders den Architekten, daß er seinen Voranschlag für Kirche und Turm (ohne Glocken und Orgel) in Höhe von DM 168.300,– um DM 3.500,– unterschreiten konnte.

 

Die Anschaffungskosten für Glocken und Orgel mußten durch Sammlungen in der Kirchengemeinde selbst aufgebracht werden. Das Geläute erklang zum ersten Mal am 4. Advent 1957, zur Kircheneinweihung hatte man eine Leihglocke im Turm montiert. Die Schucke-Orgel, die ein altes Positiv ablöste, wurde am 29. August 1965 geweiht.“

(Manfred Jäger, 2017)


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